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Wie kam das Haar in den Schmuck....

Tradition und Bedeutung

Die Verwendung von Haaren im Schmuck hat eine lange Tradition und auch das oft spontane Abschneiden der Haarlocke eines geliebten Freundes ist möglicherweise tief in unserem kulturellen Hintergrund verwurzelt.

Historisches

Das Aufbewahren von Haaren hatte schon in Zeiten, die lange vergangen sind,  eine große Bedeutung. Die älteste erhaltene Haarlocke stammt vermutlich von Teje und wurde im Grab von Tutenchamun gefunden.

 

Und auch in den alten Geschichten spielen Haare oft eine wichtige Rolle, so z.B. bei den Griechen, wenn man sich mit Scylla und Minos oder Simson und Delilah beschäftigt.

 

Doch auch was Traditionen anbelangt, wurde großen Wert auf die Haare in Bezug auf das eigene Erscheinungsbild gelegt. Die Frisur war Zeichen von Alter,  Stand, Geschlecht, Zugehörigkeit, Beruf oder Profession.

 

Dem Abschneiden der Haare wurde große Bedeutung beigemessen, zum Teil als freiwilliger Akt, wenn man zum Beispiel an die Tonsur der Mönche denkt, aber auch, um einem rechtlichen Symbolwert Ausdruck zu verleihen. So wurden z.B. Verbrechern als Zeichen Ihrer Entbehrung die Haare abrasiert und das Gleiche galt auch für das Kahlscheren von Verrätern, Gefangenen und Hexen.

 


Mythos, Brauch und Aberglaube


In vielen Kulturen wurden Haare als realer Träger oder Symbol für Kraft angesehen. Im Haar liegt die Kraft, denn es war durchwirkt vom Seelenstoff, und nach dem Volksglauben wuchs es auch nach dem Tode noch weiter.

 

Dem Schneiden der Haare wurde große Aufmerksamkeit beigemessen, so wurde z.B. für den ersten Haarschnitt von Kindern ein fester Zeitpunkt festgelegt, damit man dem Kind nicht zu früh Kraft entzog und dessen Gesundheit gefährdete. Und auch die Mondzyklen wurden für Termine zum Schneiden der Haare berücksichtigt.

 

Die Geschnittenen Haare wurden sorgfältig entsorgt, damit niemand Macht über einen anderen gewinnen konnte.

 

Die Sitte des Abschneidens von Haaren am Totenbett findet sich in Bäuchen vielen Volkdguppen wieder und wurde später in andere Rituale umgewandelt, z.B. in Form des Allerseelenzopfes als Ablöseopfer und in anderen Gebäckformen.

 

In magischen Riten waren Haare ein wichtiges Medium für Liebes-, Glücks-, Schadens- und Bindezauber.

Aber auch in Form von Amuletten, Talisman und als Liebespfand fanden sie Verwendung.

 

 

 



Schmuck mit Haaren

Die Einarbeitung von Haaren in Amulette und Talismane taucht in der Geschichte immer wieder auf.

 

Zum Einen kam Haaren in Form von Trauerschmuck eine große Bedeutung bei, den sie stellten eine haptische Präsenz des Verstorbenen dar und waren deswegen für die Hinterbliebenen von großem Wert. Neben der magischen Kraft war wohl auch die Tradition der Reliquie von wichtiger Bedeutung.

Im Gegensatz zu Trauerschmuck aus Jet/Gagat oder anderen Materalien wurde Trauerschmuck aus Haaren nach der Trauerphase nicht abgelegt, sondern weiter als Andenken getragen und sogar an die nächste Generation vererbt.

Besonders im ausgehenden 18 Jh. ist eine große Verbreitung belegt und die Blütezeit war im Viktorianischen Zeitalter.

 

Doch auch als Liebespfand hatten Haare einen sehr großen Stellenwert.

In Briefe an einen geliebten Menschen wurde gerne eine Haarlocke beigefügt, um mit  "einem Stück von sich selbst" den geschriebenen Zeilen mehr Deutlichkeit zu verleihen.

Die Braut schenkte dem Bräutigam ein Amulett mit Ihrer Haarlocke und der Offizier trug die Locke seiner Frau als Talisman, auf dass er Heil wieder zurück kehren werde.

Napoleon hat sogar in seinem Testament explizit darauf hingewiesen, was mit seinem Haarschmuck passieren solle und er trug zu Lebzeiten ein Amulett mit der Haarlocke seiner Frau Josephine de Beauharnais.

 


Haare in der Kunst

Schmuck mit Tierhaaren


Neben der Verarbeitung in Schmuckstücken wurden Haare auch zu kunstvollen Haarbildern verarbeitet. Da diese Arbeiten nicht der Zunft unterlagen, fanden hier besonders Frauen eine wichtige Einnahmequelle.

 

Das Herstellen von Schmuckbildern und Haarkränzen gehörte früher auch ins Aufgabenspektrum der Friseure, Perückenmacher und Barbiere und war lange Zeit wichtiger Teil der Gesellenprüfung.

 

Die vielfältigen Kunstgegenstände wurden mit unglaublichen Geschick und Können hergestellt und bestechen durch eine Vielzahl von Details.

 

Einige ausdrucksstarke Bilder und weiteres Informationsmaterial lässt sich in der Publikation von Dr. Nicole Tiedemann finden, die zum Thema "Haar und Kunst - zur Geschichte und Bedeutung eines menschlichen Kunstwerkes" an der Uni Bremen promoviert hat.

 


Das Einarbeiten von Tierhaaren war oft mit einem Totemkult oder einem Schutzzauber verbunden oder es sollte zur Schaustellung der Jagdtrophäe dienen.

 

In der heutigen Zeit ist es zum Glück so, dass immer mehr Menschen Tiere als Familienmitglied und wichtigen Sozialpartner betrachten.

 

Die Schmuckstücke von Seelenfreund führen teilweise die Tradition des Trauerschmucks fort, es gibt aber auch sehr viele Kunden, die diese besonderen Schmuckstücke als Symbol für die Freundschaft tragen und hiermit ein ganz anderen Schwerpunkt setzen..


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